ASSIEL

assiel-portrait-rund.pngDen Sudanesischen Verein? Den gibt es schon sehr lange! Der wurde schon vor meiner Geburt gegründet, und zwar 1981. Ich bin jetzt 17 Jahre alt. Ich wurde schon ziemlich früh aktiv in dem Verein, mein Papa ist der Vorsitzende.

Den fast 400 Mitgliedern geht es um das Miteinander, der Verein ist ein Stück weit Familie für mich, für uns alle – also das sudanesisch-deutsche Miteinander. Zwar sind wir deutschlandweit mehr als 5000 Sudanesen, in München gelten wir jedoch gelten wir eher als 'Minderheit'.

Wir informieren über Land und Leute, wollen die sudanesische Kultur nach außen vermitteln. Zum Beispiel gibt es regelmäßig öffentliche Kulturabende im Eine-Welt-Haus, wo Jung und Alt miteinander redet, isst, tanzt und feiert. Da ist der Saal dort mit weit über 150 Leuten schon mal gestopft voll. Oder wir waren im vergangenen Jahr mit einem Stand auf dem Afrika-Fest.

Ich bin bei uns zuständig für die Jugendlichen. Diese Gruppe im Verein hat sich zu einem wichtigen Treffpunkt entwickelt. Wir sind so zwischen 16 und 24 Jahre alt – und alle in Deutschland geboren. Unsere Eltern aber im Sudan.

Wir sind also gewissermaßen zwiespältig aufgewachsen, in zwei Kulturen. Da hapert es schon in der Kommunikation mit unseren Eltern. Die bringen immer das Gewürz von zuhause ins Gespräch. Es gibt Unterschiede, auch Spannungen. Das ist was ganz Normales. Aber niemand hat es ausgesprochen. Doch dann haben wir Jugendliche uns gedacht: Es passt einfach nicht mehr, lass uns einen eigenen Verein gründen. Und daran arbeiten wir gerade. Ein erstes Gründungstreffen hatten wir schon.

Meine Eltern stehen 100-Prozent hinter dem, was ich mache. Mein Papa weiß einfach, dass es nicht richtig harmoniert hat, und findet auch: Das ist die optimale Lösung für beide Seiten. Ich und die anderen sind dem Verein extrem dankbar. Ich habe durch die Vereinsarbeit sehr viel gelernt.

Ich habe viel organisiert. Zum Beispiel – wir sind ja zu 99% Muslime – einen Abend mit gemeinsamen Essen mitten im Ramadan: Raum mieten, Küche organisieren, Leute anrufen, Briefe und Emails rausschicken etc.

Oder ich habe mit rund 20 Kindern einen Ausflug ins Kino organisiert, zusammen mit drei anderen älteren Mädchen. Wir haben uns „Die drei Fragezeichen“ angeschaut. Das fanden die Kleinen natürlich ganz cool, etwas mit uns zu machen – ohne die Eltern. Mit denen ich natürlich alles vorher geplant hatte.

Das Besondere ist, dass der Verein mir blind vertraut. Die haben mir Aufgaben übertragen mit viel Verantwortung, die ich mir selber gar nicht zugetraut hätte. Aber ich behalte trotzdem immer einen kühlen Kopf. Wenn es dann gut gelaufen ist, waren die Erwachsenen voller Dank – und kamen sogar auf mich zu, um nach Rat zu fragen.

Ich habe dann sogar bei einer Umstrukturierung des Vereins mitgeholfen, habe Referate gehalten über die neue Location, Zuständigkeiten wie Schatzmeister und so. Bis man sagte: Wenn Du schon 18 wärst, würden wir Dir den Vereinsvorsitz überlassen. Das ist der Hammer!

Vielleicht werde ich ja noch Vorsitzende unseres Jugendvereins. Mal schauen … Aber jetzt mache ich erst mal nach meinem Realschulabschluss ein Jahr beim Bundesfreiwilligendienst. Da bin ich in einem Kindergarten. Und dann möchte ich eine Ausbildung machen. Was für eine? Am besten im Bereich Event- Management, weil ich doch schon so viel organisiert habe!