TAHMINA

portrait-tahmina-rund.pngTahmina Zarif ist 29 Jahre alt. Sie engagiert sich im “ Afganischen Frauenverein“ in München

1. Wie geht es Ihnen heute?

Ich bin heute sehr müde, aber zufrieden, ich war gestern und heute von der Arbeit aus auf einer Fortbildung gewesen, was sehr interessant und nachhaltig war, auch für meine Freiwilligenarbeit beim „Afganischen Frauenverein“.

2. Was haben Sie heute gemacht?

Ich habe heute eine Email an die Mitgliederinnen unseres „Afghanischen Frauenvereins“ geschickt, in der ich zusammengefasst habe, was wir bei unserem letzten Treffen am Sonntag besprochen haben. Denn nicht immer haben alle der Mitgliederinnen Zeit, zu unseren Versammlungen zu kommen.

3. Was motiviert Sie dieses zu machen?

Je älter ich werde, umso wichtiger wird es für mich, meine Identität und vor allem meine Wurzeln zu erforschen. Wenn ich dann die Integrationsproblematiken in Deutschland bezüglich Afghanistan erlebe, dann will ich als Afghanin, eine Verantwortung übernehmen.

4. Was ist Ihr persönlicher und beruflicher Hintergrund?

Ich komme aus Afghanistan, bin dort geboren und mit drei Jahren nach Usbekistan und dann, aus politischen Gründen, mit meiner Familie nach München geflüchtet. Ich bin, denke ich, ein politisch interessierter Mensch und eine Feministin.
Mein beruflicher Hintergrund- nun ich bin seit fast vier Jahren jetzt berufstätig als Sozialpädagogin und Bildungswissenschaftlerin und arbeite momentan in der Münchner Volkshochschule und in der Inneren Mission.

5. Gab es ein besonderes Erlebnis, dass Sie in Ihrer Entscheidung sich zu engagieren beeinflusst hat/geprägt hat?

Im Verlauf meines Lebenslaufs als Geflüchtete und Migrantin musste ich mich immer wieder mit den Begriffen Fremdverstehen und Interkulturalität auseinandersetzen. Auf der Reise meines Lebens rekapitulierte ich konstant meine Einsichten und eigenes Ich, versuchte das Verhalten und die Systeme neuer Gemeinschaften zu verstehen und somit Wege zu finden, mich in meiner neuen Umgebung wohl und akzeptiert zu fühlen. Zwischen gänzlich verschiedenen Kulturen aufgewachsen, fühle ich mich zu vielen Welten zugehörig. Das war und ist immer noch ein langer Weg. Erst durch mein Studium und die Zusammenarbeit mit MigrantInnen habe ich gelernt, meine doppelte vielleicht sogar multiple Identität als Bereicherung zu sehen.

Ich will Menschen, vor allem Frauen, die sich ähnlich fühlen und ähnliche Erfahrungen hier in Deutschland machen, unterstützen.

6. Was können Sie von sich weitergeben?

Meine persönlichen Erfahrungen.

7. Was haben Sie durch freiwilliges Engagement gelernt?

Viel Wertschätzung, was mit keinem Geld der Welt bezahlbar wäre, also unbezahlbar ist.

8. Laut einer aktuellen Studie sind Menschen, die sich für andere einsetzen, besonders glücklich, was sagen Sie dazu?

Das stimmt. Man bekommt von den Menschen viel Kraft und positive Energie, aber da dies auch meine eigene Identität betrifft, nimmt mich das auch des Öfteren sehr mit, wenn ich die unterschiedlichen Schicksale kennenlerne.…

9. Was ist Ihr persönlicher Tipp, um glücklich zu sein?

Ich denke eine sinnvolle Aufgabe für sich und für die Gesellschaft zu haben. Wichtig ist aber auch vor allem, wenn man sich sozial engagiert, sich nicht zu vergessen, auf sich acht zu geben.

10. Welche Botschaft möchten Sie weitergeben?

„Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt.“ Das ist ein Zitat von Mahatma Gandhi.

11. Was erwidern Sie Menschen, die behaupten sie hätten keine Zeit, kein Geld, keine Idee oder keine Fähigkeiten, wie Sie sich engagieren sollen.

Ich denke, wenn man sich engagieren möchte, gibt es immer Wege. Hier in München gibt es so viele Einrichtungen, Institutionen, die es sehr schwierig hätten, wenn Menschen sich dort nicht freiwillig engagieren würden. Mein Motto:„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“

Das Interview wurde geführt von Sonja Vodicka